Großübung: Explosion im Holzheizkraftwerk

Montag, den 31. Oktober 2011 um 21:20 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
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Die Feuerwehrleute mussten mehrere Schwerverletzte retten. Die Feuerwehrleute mussten mehrere Schwerverletzte retten. Fotos: pfa

MENGERINGHAUSEN. Für vier Opfer kam trotz aller Bemühungen der rund 80 Feuerwehrleute jede Hilfe zu spät - zum Glück war dieser tragische Ausgang eines Explosionsunglücks nur Teil eines Übungsszenarios. Neben den Brandschützern aus der Kernstadt und mehreren Stadtteilen waren an der Großübung im Bioenergiepark Auf dem Hagen am Montagabend auch Mitglieder zweier DRK-Schnelleinsatzgruppen beteiligt. Mitglieder der Mimengruppe "Screaming Rescuers" schlüpften - realistisch geschminkt - in die Rolle der Betroffenen.

Eine Explosion hatte Gebäudeteile zerstört und Trümmer auf dem gesamten Gelände verteilt, eine Gasleitung bersten lassen, mehrere Brände entfacht und einige der Opfer verschüttet, andere hatten Verbrennungen erlitten oder waren von Metallteilen durchbohrt - so sah es das Übungsszenario vor, das Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Meyer und seine Stellvertreter Michael Seebold und Sven Eichweber ausgearbeitet hatten. Bis auf das Führungstrio der Arolser Brandschützer wussten die Feuerwehrleute in Kernstadt und Ortsteilen nichts von der komplexen und mit vielen Aufgaben gespickten Übung. Die Leitstelle alarmierte gegen 18 Uhr die Wehren aus Mengeringhausen, Bad Arolsen, Helsen, Schmillinghausen, Massenhausen und Wetterburg sowie die Besatzung eines in Korbach stationierten Einsatzleitwagens für größere Schadensfälle.

Als wenig später die ersten Feuerwehrleute an dem Holzheizkraftwerk eintrafen, "bildeten sie innerhalb weniger Augenblicke verschiedene Abschnitte und brachten damit Struktur in den Einsatz", lobte der Stadtbrandinspektor. So hätten sich die Brandschützer auf dem großen Gelände sofort ein Bild vom Ausmaß des Schadens gemacht und seien sehr gezielt zur Menschenrettung ins Gebäude oder im Freien vorgegangen, während sich andere Kräfte um Wasserversorgung und Brandbekämpfung gekümmert hätten. Mit dem Korb der Drehleiter wurde ein Verletzter vom Dach eines Gebäudes gerettet. Andere Verletzte und auch die angenommenen Todesopfer trugen die Feuerwehrleute zur Verletztensammelstelle, die die Mitglieder der DRK-Schnelleinsatzgruppen Ehringen und Bad Arolsen an einer Zufahrt eingerichtet hatten. Deren Führung hatten die Bereitschaftsleiter Hartmut Keim (Ehringen) und Thorsten Schaub (Bad Arolsen) inne.

Einen Verletzten mussten die Brandschützer mit einem Hebekissen befreien - der Mitarbeiter war unter einem Eisenträger "gefangen". Vorherige Versuche, das schwere Metall mit einer Axt durch Hebeln oder mit einem Wagenheber anzuheben, waren gescheitert. Für die unter Atemschutz vorgegangenen Brandschützer war dies eine große körperliche Anstrengung, und in der Dunkelheit am Rande eines Holzhackschnitzelberges bedeutete das Bedienen des mit Druckluft aufblasbaren Hebekissens eine weitere Schwierigkeit.

"Innerhalb von nur 60 Minuten waren alle sechs Opfer gefunden und befreit", lobte Stadtbrandinspektor Meyer. Die Einsatzkräfte hätten außerdem alle sonstigen, recht unterschiedlichen Anforderungen gemeistert. Sein Stellvertreter Sven Eichweber erklärte, dass die Übung nahezu alle Sachgebiete der Feuerwehr abgedeckt habe - Brandbekämpfung, Retten und Bergen von Opfern sowie der Umgang mit Gefahrgut. Auch für die Führungskräfte sei eine solche Großübung unter den im Bioenergiepark vorgefundenen Bedingungen eine ideale Möglichkeit, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Die Führungskräfte lobten alle Beteiligten, die in kürzester Zeit in großer Zahl an der "Einsatzstelle" eingetroffen seien und sich in jeder Hinsicht bewährt hätten. Auch die Kooperation und Kommunikation mit den 14 eingesetzten DRK-Helfern und den Kameraden der "mobilen Leitstelle" sei sehr professionell gewesen. Als professionell schätzten alle Beteiligten auch die "Opfer" ein, die durch Aussehen und Verhalten für realistisches Flair sorgten.

Zuletzt geändert am Dienstag, den 01. November 2011 um 10:30 Uhr