Facebook-Fest: Gähnende Leere an Partyort

Freitag, den 22. Juni 2012 um 21:14 Uhr Verfasst von  Sascha Pfannstiel
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BAD AROLSEN. Gähnende Leere am Ort der ursprünglich geplanten Facebook-Party an der Landauer Straße: Die Polizei hat das Umfeld des Gebäudes weiträumig abgeriegelt.

In der gesamten Stadt zeigte die Polizei schon seit dem Nachmittag starke Präsenz, um eventuell anreisende Gäte der verbotenen Facebook-Feier eines 23-Jährigen im Vorfeld zu kontrollieren. Zum eigentlichen Ort des Geschehens ließen die Beamten niemanden durch. "Jeder, der heute in Bad Arolsen feiern möchte, kann das tun, wenn er sich an die Gesetze hält", sagte Polizeisprecher Volker König gegenüber 112-magazin.de, "nur der Veranstalter der untersagten Party darf nicht feiern". Er verbrachte den Abend in seiner Wohnung - und trat ab und zu auf den Balkon, um auf die - abgesperrte - Straße zu blicken.

Im Vorfeld der von dem 23-Jährigen auf Facebook anberaumten Party war befürchtet worden, dass möglicherweise tausende Menschen nach Bad Arolsen kommen und dem Aufruf zu Gewalt oder Vandalismus folgen würden. Daraufhin hätten Stadt und Polizei ein umfassendes Sicherheitskonzept erarbeitet. Die Taktik sei voll aufgegangen, berichtete König noch in der Nacht.

Teil des Konzeptes war unter anderem, dass neben etlichen Polizeibeamten auch zahlreiche Kräfte von Rettungsdienst, Feuerwehr und Bergwacht in Bereitschaft standen, um im Notfall rasche Hilfe auch für viele Personen leisten zu können. Auf dem Sportplatz Am Tannenkopf hatte das Rote Kreuz einen Bereitstellungsplatz eingerichtet. Weil die Einsatzkräfte glücklicherweise nicht zu Notfällen ausrücken mussten, hatten die Rot-Kreuzler die Gelegenheit, das EM-Fußballspiel der deutschen Mannschaft gegen die griechische Elf anzuschauen - die Retter hatten einen großen Flachbildschirm auf der Ladefläche eines Lastwagens aufgestellt. Auch zahlreiche Polizisten und Feuerwehrleute hatten angesichts der entspannten Ereignislage die Möglichkeit, das Spiel zumindest teilweise zu verfolgen.

Nach dem Ende des aus deutscher Sicht erfolgreichen Spiels fuhren zahlreiche begeisterte Fußballfans durch die Residenzstadt. Die Fans feierten ausgelassen, aber friedlich den Einzug der Löw-Kicker ins Halbfinale. Am Ort der ursprünglich angezettelten Facebook-Party blieb es dagegen ruhig, "sehr ruhig", wie der Polizeisprecher am späten Abend auf Anfrage sagte. Etwa 30 Menschen hätten sich an der Absperrung an der Landauer Straße eingefunden - bei ihnen handelte es sich aber nicht um Partywütige, sondern um Anwohner auf dem Heimweg. Sie hätten dann selbstverständlich die Absperrung passieren dürfen, hieß es.

Ein 29-jähriger Mann aus Nordrhein Westfalen wurde in der Großen Allee kontrolliert und festgenommen, weil er insgesamt 20 Gramm Marihuana mit sich führte. Ein Rollerfahrer konnte an einer Kontrollstelle keine gültige Fahrerlaubnis vorweisen. Insgesamt sprachen die Beamten sechs Platzverweise aus, die widerspruchslos akzeptiert wurden.

Mit seiner ursprünglich offenbar als Rache gegen den Vermieter wegen Kündigung seiner Wohnung angezettelten Facebook-Party hat sich der 23-Jährige in erster Linie selbst geschadet. So hatte Arolsens Bürgermeister Jürgen van der Horst am Mittwoch angekündigt, dem jungen Mann die Kosten für den Einsatz von Polizei und anderen Kräften in Rechnung zu stellen. Außerdem hat der "Veranstalter" der verbotenen Party eine Strafanzeige am Hals wegen des öffentlichen Aufrufes zu Gewalt.


Zuletzt geändert am Mittwoch, den 30. Januar 2013 um 16:23 Uhr